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Roland SYSTEM-1m - um die Tastatur erleichtertes SYSTEM-1 mit Mehrwert  ·  Quelle: rolandmusik.de

Das FX-Quartett bestehend aus Scooper, Torcido, Demora und Bitrazer  ·  Quelle: rolandmusik.de

Die bisher angekündigten Roland/ Malekko 500er Eurorack-Module  ·  Quelle: malekkoheavyindustry.com

Das digital/analoge Synthesizer Flaggschiff JD-XA  ·  Quelle: rolandmusik.de

Der Rummel der Frankfurter Musikmesse 2015 hat sich zwischenzeitlich wieder gelegt. Die großen Sensationen blieben bei manchem Hersteller etwas aus, da einige Kandidaten ihre Neuheiten für 2015 bereits zu Beginn des Jahres auf der NAMM präsentiert hatten. Zu sehen gab’s aber trotzdem was, zum Beispiel bei Roland. Bereits im Vorfeld brodelte die Gerüchteküche und man hoffte auf das kurz zuvor geleakte Modularsystem. 

Die Erwartungen diesbezüglich wurden dann auch nicht enttäuscht. So zeigte Roland nicht nur das  SYSTEM-1m, sondern zauberte – für viele doch recht unerwartet – auch noch die neuen 500er Module aus dem Hut.

Aber schön der Reihe nach: Basierend auf dem bereits bekannten SYSTEM-1 Plug-Out Synthesizer wurde nun das SYSTEM-1m im Eurorack-kompatiblen Format vorgestellt. Sieht dieses auf den ersten Blick aus wie eine um die Klaviatur erleichterte Version des SYSTEM-1, stellt man doch schnell fest, dass das SYSTEM-1m einiges mehr zu bieten hat. Natürlich können auch hier die bereits erhältlichen Plug-Out Synths SH-101, SH-2 und der Promars geladen werden, um sie so dann ohne Einsatz eines Host-Rechners spielen zu können. Zusätzlich jedoch bietet das neue semi-modulare System aber auch eine eigene interne Klangerzeugung. Über einen Button auf dem Bedienpanel des SYSTEM-1m kann zwischen beiden Klangerzeugungs-Abteilungen umgeschaltet werden. Dank der CV/ Gate Buchsen kann der Synth auch bestens in ein bestehendes Modularsystem integriert werden. Das Patchfeld steht dabei nicht nur während der Nutzung der internen Klangerzeugung zur Verfügung. Die Buchsen können genauso im Plug-Out Modus genutzt werden. So ist es beispielsweise möglich ein externes Signal mithilfe der SH-101 Filtereinheit zu bearbeiten. Ein vielversprechendes Feature, bedenkt man, dass seitens des Herstellers weitere Plug-Out Synthesizer in Planung sind. Erfreulich ist zudem, dass Look and Feel vom SYSTEM-1 übernommen wurden: Auch in dunklen Umgebungen verliert man dank dem beleuchteten Panel nicht den Überblick.

Als Ergänzung zum SYSTEM-1m hat Roland vier ebenfalls Eurorack-taugliche Effektmodule zur kreativen Klangformung in Echtzeit vorgestellt: SCOOPER ist ein Looper und Scatter-Effekt, der das eingespeiste Signal zerhackt oder verformt wieder ausgibt. Das TORCIDO Modul ist spezialisiert auf Distortion und soll eine Range von leichtem Overdrive bis brachialer Verzerrung bieten. DEMORA hingegen stellt ein vielseitiges Delay Modul dar. Vervollständigt wird das FX-Quartett durch den BITRAZER. Mit ihm lassen sich Bit und Samplerate des zuvor digitalisierten Eingangssignals reduzieren, somit ist dieser Effekt bestens für Lo-Fi artige Sounds geeignet.

Alle vier Module arbeiten vollständig digital. Zu diesem Zweck verfügen sie über 24Bit/96kHz AD/DA-Wandler. Das sorgt auch dafür, dass alle Parameter in Echtzeit mithilfe eines Editors über MAC und PC, aber auch via iOS und Android Apps fernsteuerbar sind. Zusätzlich zum regulären Effekt-Umfang der einzelnen Module, werden auch noch die so genannten (virtuellen) Sub-Module geboten. Zum Erscheinungszeitpunkt der Effekt-Module stehen hier insgesamt 15 Sub-Module zur Verfügung. Laut Herstellerangaben sind hier noch weitere geplant. Über den Editor können beispielsweise LFO, ADSR, diverse Filter oder auch exotischere Sub-Module wie ein Gate-Divider oder eine „Midi-Clock to Gate“ Funktionalität hinzugefügt werden. Das ist in der Tat sehr vielversprechend und bietet eine wahre Spielwiese für Live-Soundfrickler! Dieser enorme Funktionsumfang prädestiniert die Module definitiv auch für eine Standalone Nutzung, zum Beispiel im Setup eines DJs.

Kurz vor Beginn der Musikmesse war eigentlich schon weitestgehend klar, was Roland präsentieren würde. Kurz vorher gab es schließlich eine – wenn auch sehr spartanisch gehaltene – offizielle Ankündigung zum SYSTEM-1m und den Effektmodulen. Dennoch gelang es Roland für eine weitere Überraschung zu sorgen: Die kam in Form der rein analog aufgebauten 500er-Module zur Realisierung eines Modularsystems. Vorgestellt wurden insgesamt fünf, aus einer Kooperation mit dem Hersteller Malekko Heavy Industries entstandene, Module. Darunter jeweils dual ausgeführte VCO, VCF und VCA-Einheiten sowie ein kombiniertes Envelope/ LFO Modul und ein „Phase“ getauftes Effekt-Modul. Dieses bietet neben dem namensgebenden Phaseshifter auch ein analoges Delay sowie ein Gate-Delay. Ab wann die Module in den Handel kommen werden, ist noch nicht ganz klar, bisher wurde das 3. Quartal diesen Jahres genannt. Es bleibt spannend – ein ausführlicher Bericht folgt, sobald seitens Roland weitere Details bekannt gegeben werden.

Zu guter Letzt wurde natürlich auch – wie lange zuvor angekündigt – der auf der NAMM nur aus der Ferne zu bestaunende Synthesizer JD-XA gezeigt. Während in Anaheim nur ein Prototyp zu sehen war, konnte Rolands neues Flaggschiff in Frankfurt nun auch endlich angespielt werden. Der Funktionsumfang des Synthesizers erscheint enorm: Neben den vier analogen Parts verfügt er auch über eine 64 Stimmen umfassende SUPERNatural basierende digitale Abteilung. Die bereits vom kleinen Bruder JD-Xi bekannte Crossover-Engine ermöglicht die Kombination der analogen und digitalen Sektionen und erlaubt unter anderem auch den Einsatz des analogen Filters für die Formung der digitalen Klänge.

Während Roland im Bereich der Synthesizer einige Neuheiten bot, zeigte sich die „Synths-Konkurrenz“ eher zurückhaltend. Wie eingangs erwähnt, wurde das Pulver zum Teil schon auf der NAMM verschossen. Dennoch bleibt zu hoffen, das der Trend zu analogen Klangerzeugern – insbesondere auch von den großen Herstellern – nicht sobald wieder abflaut. Und wer weiß, vielleicht leistet auch Yamaha in näherer Zukunft noch seinen Betrag. Das 40 jährige Yamaha-Synthesizer Jubiläum wäre eigentlich ein guter Anlass dazu gewesen.

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